Sparplan schockt Sozialstationen
Forchheim/Ebermannstadt Ohne sie sähe es schlecht aus. Katharina Schmitt steigt in ihr rotes Dienstfahrzeug, überprüft noch ein letztes Mal den Inhalt ihrer Tasche, fährt los. Erster Klient des Tages ist ein Senior aus Ebermannstadt. Er soll gebadet werden. 30 Minuten hat die 37-jährige Altenpflegerin von der Caritas-Sozialstation Ebermannstadt dafür Zeit.
Dann geht es weiter, zum Nächsten auf der Liste. Ihre Liste und die Listen ihrer vielen Kolleginnen bei den ambulanten Pflegediensten im Landkreis Forchheim sind lang. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt sowohl im stationären als auch im häuslichen Bereich.Umso alarmierter reagieren die ambulanten Pflegedienste auf den Vorstoß aus dem Landratsamt Forchheim, die Zuschüsse für die Pflegedienste streichen zu wollen.
Haushaltstage zwingt zu Streichungen
Wie in vielen Kommunen und Landkreisen in Bayern ist auch im hiesigen Landratsamt das Thema Haushaltskrise angekommen. Die Folge: Nahezu alle Ausgaben stehen auf dem Prüfstand, insbesondere jene Leistungen, zu denen der Landkreis per Gesetz nicht
verpflichtet ist. Dazu hatten sich die Kreisräte in Anbetracht der schwierigen Finanzlage verständigt.
Darunter fällt etwa die im Dezember 2025 abgelehnte Finanzierung der Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Und die Fördermittel für die ambulanten Pflegedienste. Wie Landrat Hanngörg Zimmermann (Freie Wähler) in
dieser Woche im Sozialausschuss erklärte, sei es nicht Wunsch der Verwaltung, den Diensten die Gelder zu streichen. Vielmehr sah er sie durch die „Nöte der Haushaltskonsolidierung" sowie den Sparauftrag des Kreistags dazu verpflichtet, das Thema auf die Tagesordnung zu heben.
Förderung 2000 beschlossen
Diese Förderung hatte der Kreistag im Jahr 2000 als Richtlinie beschlossen. Sowohl private als auch gemeinnützige Träger werden bei einem Teil ihrer Investitionskosten unterstützt, etwa bei der Anschaffung neuer Fahrzeuge. Mit diesen Geldern will der Landkreis
den Grundsatz „Ambulant vor stationär" nach dem Gesetz zur Ausführung der Sozialgesetze (AGSG) umsetzen.
Gedeckelt ist die Fördersumme auf einen jährlichen Betrag von 87.400 Euro, der anteilig auf die Antragsteller aufgeteilt wird. Aktuell hatten 14 Pflegedienste aus dem Landkreis Fördergelder rückwirkend für das Jahr 2025 beantragt. Gesamthöhe des Wunschzettels:
164.663 Euro. Höhe der bewilligten Gelder: 84.700 Euro, knapp die Hälfte. Nun steht grundsätzlich zur Disposition, ob die Träger im kommenden Jahr für 2026 Fördergelder beantragen können. Volker Göbels Gesicht legt sich in Falten. Er leitet gemeinsam mit Peter Ehmann den Regionalcaritasverband Bamberg-Forchheim, der im Landkreis Forchheim neben Beratungsstellen vor allem Seniorenzentren, Tagespflegen und ambulante Pflegedienste betreibt, darunter zum Beispiel den von Altenpflegerin Katharina Schmitt in Ebermannstadt. „Diese Förderungen sind wichtige Standbeine für unsere Einrichtungen", sagt Göbel. Das Problem: Das wirtschaftliche Betreiben eines Pflegedienstes gestalte sich ohnehin immer
schwieriger, sagt er. Kosten für Personal und Diesel steigen, hinzu kommen unsichere
Rahmenbedingungen in der Pflegepolitik. „Würden diese Fördergelder wegfallen, müss
ten Pflegedienste die Mehrkosten auf die Pflegebedürftigen umlegen", sagt Göbel. Und
er ist mit dieser Einschätzung nicht allein.
Marco Elsner, Betreiber eines privaten Dienstes, betitelt eine Streichung als „unverhält
nismäßig". Christine Aßhoff, Vorständin und Abteilungsleiterin Altenhilfe beim Diakoni
sehen Werk Bamberg-Forchheim, warnt vor einer steigenden Belastung der Pflegebe
dürftigen und ihrer Familien. Schon jetzt könnten die Eigenanteile auch bei der ambulan
ten Pflege vierstellige Beträge erreichen. „Die Betroffenen würden den Wegfall der För
derung merken", sagt Aßhoff.
Dabei wird häusliche Pflege immer wichtiger. Einmal, weil die Zahl der Pflegebedürftige